Mein Flug übers Kuckucksnest

Veröffentlicht: 1. Oktober 2014 in Allgemein

kuckucksnest2

Bei meinem Artikel „Willkommen im Camp“ habe ich ja schon angekündigt, dass ich berichte, sobald etwas Erwähnenswertes passiert.

Nun ja, aber zuerst ein paar allgemeine Feststellungen:

Das Zimmer hat den Charme einer Gefängniszelle. Das Bett ist exakt so groß wie ich und nur minimal breiter. Erinnert also mehr an eine Gefängnispritsche als an ein Bett. Ich habe bereits aufgehört zu zählen wie oft ich mir nachts beim Umdrehen Knie und Arme angeschlagen habe. Das Gebäude wurde Anfang der 70er als Hotel gebaut und ich habe den Eindruck, dass es in diesem Zustand ohne Modernisierung vom dem jetzigen Betreiber übernommen wurde. Das Schwimmbad ist ein Witz – sind 5 Personen drin ist an schwimmen nicht mehr zu denken. Die Sauna ist eine etwas größere Telefonzelle mit einem Wasserkocher als „Ofen“.😉

Das Essen ist Kantinenfraß wie man ihn sich halt vorstellt. Das Billigste vom Billigsten und jeden Tag fast dasselbe. Montag gibt´s Scheiss mit Reis und Dienstag dafür Reis mit Scheiss usw.

Aber das Beste ist ja, dass man uns in der Ernährungsberatung besonders darauf hingewiesen hat auf die Qualität des Essens zu achten. O.k. – das gilt dann wohl für die Zeit nach der Reha, weil hier in der Küche gibt es bestimmt vieles (schlechtes), aber mit absoluter Sicherheit keine Qualität!

Um euch einen Eindruck zu verschaffen seht ihr hier ein Bild vom Küchenchef: 😉

küche

Am Anfang wird man gefragt an welchen Kursen man teilnehmen möchte, um dann auf dem Plan zu sehen, dass fast nichts davon drauf ist. Auf Nachfrage bekommt man die Antwort: „Ja, es bestehen grade lange Wartelisten.“ Und wenn die ernsthaft erwarten, dass man sich nach 5 Wochen Sport, Bäume im Park umarmen und seinen Namen tanzen besser fühlt, dann gehören diese Leute selbst in Behandlung und nicht die Patienten. Aber darum geht es hier auch nicht. Die Rentenversicherung will um jeden Preis von den bestochenen – ähm… ich meine den behandelnden Ärzten die Diagnose „Voll Arbeitsfähig“. Bin gespannt was mein Ergebnis nach dieser Zeit sein wird. Überraschen würde es mich nicht.

Was bisher positiv war ist die Feststellung, dass eine andere Gegend einen auch auf andere Gedanken bringt. Mir sind einige Dinge durch den Kopf gegangen, die ich all die Monate zu Hause nicht hatte. Und ich wurde noch mehr in meinem Willen bestärkt mein Leben in die Hand zu nehmen, um daraus zu machen was ICH möchte und nicht um eine willenlose Arbeitsdrohne des Systems zu sein. Denn genau das war ich bis zum Zeitpunkt meines Aufwachens. Man denkt man handelt frei und trifft seine eigenen Entscheidungen, aber das ist nur eine über einen langen Zeitraum  in die Gehirne eingeprägte Illusion des Systems.

Und ich habe bemerkt, dass mehr und regelmäßiger Sport sehr viele Spannungen abbaut. Das möchte und werde ich auf jeden Fall nach dem Camp beibehalten.🙂

So, jetzt aber zu dem Erlebnis weswegen ich diesen Artikel überhaupt schreiben wollte:

Gestern hatte ich den Kurs „Arbeit und Ressourcen“. Eigentlich ein langweiliges Geschwafel über Stress, die eigenen Stärken, wie man auf andere wirkt usw.

Dann sage die Kursleiterin: „So und nun zieht jeder bitte einen Schuh aus.“ Das konnte schon mal nichts Gutes heißen. Sie sagte dann weiter: Jetzt sucht sich jeder einen Partner und setzt sich mit ihm zusammen auf den Boden und dann schieben Sie sich gegenseitig ihre Schuhe zu wie Sie es für richtig halten.“

Ich dachte nur: „Das meint die Alte aber jetzt nicht ernst, oder?“ Und mein zweiter Gedanke war: „ Das macht jetzt aber keiner, der nicht komplett seine Würde und den Verstand verloren hat mit.“ Kaum hatte ich dies zu Ende gedacht war es passiert:

Ein Haufen erwachsener Männer und Frauen liegen auf dem Boden und schieben sich ihre Schuhe zu und lachen dabei wie die kleinen Kinder! Was für infantile Vollspast-Schlafschaf-Deppen!!!!!

Ich zog meinen Schuh wieder an und blieb sitzen. Als mich die Kursleiterin ansprach, ob ich nicht auch mitmachen wollte, antwortete ich nur kurz und knapp: „Nein, Danke. Kein Bedarf.“

Ob ich deswegen einen Vermerk mit „unmotiviert“ oder „unkooperativ“ erhalten habe ist mir ehrlich gesagt scheiss egal.😛

Aber manchen hier sieht man das Schlafschaf echt an. Solche Deppen. Aber das Bild hier ist dasselbe wie so oft hier im Land. Es gibt Regeln und Verbote. Einige der Ausländer hier scheissen drauf und tun und lassen was sie wollen. Sie kommen zu spät und benehmen sich unmöglich. Konsequenzen? Null! Die deutschen Michels hier sind noch korrekter als die Klinikleitung und gehorchen aufs Wort. Kommt mal einer von denen zu spät ohne gute Begründung gibt’s gleich einen Einlauf. Einfach herrlich das mit anzusehen.😀

Außerdem hab ich hier noch was Tolles entdeckt. Einen Beweis, dass man Menschen innerhalb kürzester Zeit konditionieren kann. Kennt ihr das Experiment mit dem pawlowschen Hund?

Hier eine Erklärung dazu:

Pavlov's_dog.svg

Also, die Kantine macht abends um 17:30 Uhr auf. Alle sitzen schon da und warten auf die „Fütterung.“  Die Tür zur Kantine ist aber abgeschlossen. Dann punkt 17:30 Uhr wird die Tür aufgeschlossen. Da es eine Glastür ist schlägt der Schlüsselbund beim Aufschließen gegen das Glas. Sobald dieses Geräusch hörbar ist springen alle wie von der Tarantel gestochen auf und stürmen in die Kantine. Ich stand nur da und dachte: „Was geht denn jetzt ab??? :D  Was seid ihr denn für Deppen?? Kriegt der Letzte nix zum essen??“  Was also beim pawlowschen Hund die Glocke ist, ist bei den Idioten hier das Schlagen des Schlüsselbunds an die Glastür. Fehlt nur noch, dass die auch anfangen zu sabbern! *hehe*

Viele hier sind eh so mit Medikamenten zugeballert, dass sie in der Ecke stehen wie ein betäubtes Faultier oder ein Zombie mit Querschnittslähmung.😀  Das nennt sich dann wohl „Behandlung“.

Da kommt man sich manchmal echt vor wie Jack Nicholson bei „Einer flog über das Kuckucksnest“.

Naja, soweit mein Bericht aus dem Camp. Ich versuche bis zum Schluss so unauffällig wie möglich zu bleiben und die Zeit zu nutzen, um das Beste für mich selbst heraus zu holen.

In diesem Sinne…😉

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